Thomas Reiter, Leiter des Jugendhauses, und Pilar Berk-Resasco unterstützten die Kinder. Foto: Maik Reuss

Kinder malen an zehn Meter langem Tisch – und lernen Demokratie

„Eis und Raum“ heißt das Projekt-Café auf dem Sossenheimer Kirchberg, angelehnt an den Ort, der über Jahrzehnte hinweg ein Eiscafé beherbergte. Einer der beiden Räume wurde jetzt einen Abend lang zu einem Ausstellungsraum umfunktioniert, in dem Werke von Kindern und Jugendlichen aus Sossenheim gezeigt wurden. Das Motto: „Dein Tisch. Deine Ideen.“
Die Idee ist schnell erklärt: Ein zehn Meter langer Tisch, aufgestellt im Jugendhaus Sossenheim und ausgelegt mit einem ebenso langen Stück weißen Papier, hat im Mai Kinder und Jugendliche aus dem Stadtteil dazu eingeladen, eigene Ideen künstlerisch umzusetzen. Begleitet wurden die Mädchen und Jungen im Alter von elf bis 21 Jahren dabei von vier bildenden Künstlerinnen: Anne Kaminsky, Karoline Krause, Christina Plaka und Haike Rausch.

Im Mittelpunkt der Aktion, die Teil des Projekts „KunstRaum erforscht! – Demokratie-Aktionen“ ist, steht dabei vor allem der Blick auf sich selbst. Aber auch, wie die Mädchen und Jungen ihre Umgebung wahrnehmen. Gleichzeitig sollte ihr Sinn für Demokratie geschärft werden. Initiiert hat das Projekt Pilar Berk-Resasco, Vorsitzende des Vereins Jugend-Bildung. Es ist niedrigschwellig und soll die Chancengleichheit stärken, weil junge Menschen ganz unabhängig von ihrer Herkunft und Vorerfahrung mitwirken können.

Das Projekt „KunstRaum erforscht! „Demokratie-Aktionen“ ist ein partizipatives Kunstprojekt für Kinder und Jugendliche aus dem Stadtteil. Umgesetzt wird es unter anderem in Zusammenarbeit mit dem Jugendhaus, dessen Träger der evangelische Verein für Kinder- und Jugendhilfe Rhein-Main ist. Es ist aufgeteilt in verschiedene Aktionen – „Dein Tisch. Deine Ideen“ ist die erste davon. Bis September sollen weitere folgen, bei denen es auch um die Begehung von Orten in Sossenheim geht, an denen sich Kinder und Jugendliche gerne aufhalten. Oder auch nicht, weil ein einst beliebter Ort nicht mehr da sei, erklärt Pilar Berk-Resasco.

Durch die enge Vernetzung im Stadtteil, insbesondere mit dem Jugendhaus, sei die Idee entwickelt worden, Demokratie kreativ und lebensnah erfahrbar zu machen. Ganz konkret bedeutet dies: Kinder und Jugendliche entwickeln gemeinsam mit Künstlerinnen und Künstlern eigene Ideen, die ihre Sicht auf ihre Umwelt spiegeln, und setzen sie kreativ um.
Die Vorbereitungen für eine zweite Aktion, die unter dem Titel „Vom Handy an die Wand“ steht, begleitet von dem Filmemacher Brendan Berk, seien bereits angelaufen. Die Ergebnisse werden nach den Sommerferien präsentiert. Das Projekt ermögliche, Brücken zu schlagen aus der digitalen in die analoge Welt, sagt der Leiter des Jugendhauses, Thomas Reiter.
Der Verein Jugend-Bildung wurde 1998 gegründet, um junge Menschen zu fördern, zu stärken und zu mehr Selbstbestimmung zu ermutigen. Seit 2024 setzt der Verein neue Schwerpunkte. Etwa bei Kultur, Gesundheit und Partizipation soll jungen Menschen durch verschiedene Projekte gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht werden.

3000 Euro von LEBERECHT

Gefördert wird das Projekt unter anderem vom Amt für Multikulturelle Angelegenheiten und mit 3000 Euro auch von der Leberecht-Stiftung der Frankfurter Neuen Presse, die sich seit mehr als 75 Jahren für körperlich und kognitiv beeinträchtigte sowie benachteiligte Kinder und Jugendliche stark macht. Alexandra Flieth