Das Frankfurter „Hood Training“-Projekt ist ein bundesweit bekanntes, soziales Jugend- und Sportprojekt, das in benachteiligten Stadtteilen aktiv ist. Dion Jamison bringt die Kinder und Jugendlichen in Ginnheim in Schwung. Foto: Enrico Sauda
Hood-Training: Kinder machen 20 Klimmzüge – mit neun Jahren
Frankfurt. Die vielen Eisenstangen und Eisenklettergeräte könnten einfach so nur herumstehen. Sie können aber auch die idealen Sportgeräte für Muskeltraining sein. Dion Jamison von Hood Training nutzt jedes Gerät. Er besteht vom Hals bis zu den Füßen aus nichts als Muskeln. „Es gibt sogar Calisthenics-Weltmeisterschaften“, sagt der junge Mann und beschreibt die Sportart als „super artistisch mit vielen Wettbewerben“.
Um ihn herum wuselt ein Dutzend Kinder aus der Nachbarschaft zwischen neun und 14 Jahren. Seit zwei Monaten leitet Dion ihr Hood-Training – oft auch mit seinem Kollegen Thanh Nguyen, der mit 136.000 Followern Calisthenics-Influencer ist. Jamison war 2022 Champion und hat mehr als 13.000 Follower auf Instagram. Beide haben perfekte Körperbeherrschung, Kraft wie Bären und eine Ausdauer, die schwindelig macht. Die Kinder lieben ihre Idole. Jeden Mittwoch können sie um 16 Uhr ohne Termin auf den Calisthenics-Platz nicht weit von der Platenstraße kommen und mitmachen.
LEBERECHT unterstützt Sportangebot für Kinder
„Seit zwei Monaten sind wir hier“, erklärt Uwe Wulfken, Leiter von Hodd Training in Frankfurt. Seinen Sitz hat das Unternehmen in Bremen und es setzt sich seit 2010 für Kinder und Jugendliche in ihren Vierteln ein. Die Leberecht-Stiftung der Frankfurter Neuen Presse macht sich stark für das Frankfurter Projekt und unterstützt das Team finanziell, damit die jungen Anwohner nicht nur beschäftigt sind mit Sport, sondern damit sie Teamgeist und Sport erleben können. Das ganze Jahr 2026 wird von der Stiftung unterstützt.
Eine Stunde lang wird jeweils trainiert und auch Challenges für die Kids sind dabei. Wer kann am längsten einen Liegestütz aus Zehenspitzen und Ellbogen halten, wer kann am längsten angelehnt an eine Stange in Sitzhaltung ausharren, wer hat am meisten Ausdauer und Kraft beim Hangeln an den Metallstangen? Alle machen mit, allen tut es weh, alle haben Spaß dabei, ihre Kräfte zu messen. Zur Belohnung gibt es Pokémon-Karten und für die Sieger kleine Gutscheine, die Jamison von seinen Flythenics auslobt.
„Am liebsten mache ich Klimmzüge mit Gummis und Überschläge“, sagt Saiem (9) strahlend, der Sieger von gleich zwei Challenges an diesem Mittwoch wird. „Der ist ’ne Maschine“, kommentiert Jamison lachend. Saiem ist stolz. Auch deshalb, weil er zu den Jüngsten gehört, die heute dabei sind.
Gummiseile in verschiedenen Farben und Stärken hängen an den Stangen. Die Kinder machen sich etwas Magnesium aus der Tube auf die Hände, steigen mit den Füßen in die Schlaufen der Seile und machen bis zu 20 Klimmzüge, ohne übermäßig aus dem Atem zu kommen. Nur die Schwielen an den Händen brennen. „Das gehört dazu. Je stärker die Hornhaut wird, desto weniger tut es weh“, erklärt Jamison. Er lächelt ununterbrochen. Es macht ihm sichtlich Spaß, mit den Kindern zu arbeiten. „Die haben richtig Bock und lernen unglaublich schnell. Viele kommen immer wieder, es kommen neue und viele bringen Freunde mit. So wie es sein soll, baut sich jedes Mal eine Gruppe auf und jede Woche werden es mehr Kinder, die dabei sein wollen.“
Jamison macht keinen Druck. Er fördert und motiviert. Ganz automatisch werden die kleinen Teilnehmer zu Freunden, sie helfen sich und sie ärgern sich freundschaftlich. Es gibt keine schlechte Stimmung oder Gerangel. Zu zeigen, was sie können, sich auszuprobieren und jedes Mal Neues zu lernen, beansprucht ihre Energie und macht ausnahmslos allen gute Laune.
„Wenn es nach uns geht, würden wir auch gerne das Hood-Training in andere Stadtteile bringen. Calisthenics-Anlagen gibt es ja mehrere, und vielleicht können wir das Projekt ausweiten“, hofft Wulfken.
Eman und Zoey sind als Mädchen in der Minderheit, halten aber voll mit bei den Jungs. Zoey gewinnt auch eine Challenge. Die offenen Blasen vom Hangeln an den Stangen ignoriert sie tapfer. „Ich muss einfach noch mehr üben“, sagt sie lachend. Dass sie auch nächste Woche wiederkommt, ist „logisch“. Sabine Schramek
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